[WetterGeschichte] Winter 1970: “…starke Schneefälle über 3 Monate”

EDIT. 17.10.2015

„An den Winter 1969/1970 will ich gar nicht denken. Da hatten wir über vier Monate, exakt waren es 123 Tage, eine geschlossene Schneedecke. Noch heute steht der Rekord, was die Schneehöhe betrifft. Am 6. März 1970 habe ich genau 60 Zentimeter gemessen.“
(Hobbymeteorologe Herbert Lehmann aus Drachhausen bei Cottbus)


Der Winter 1969/1970 stellte in Südbrandenburg ein Wetterxtrem dar. Besonders die 2. Hälfte ab dem Jahreswechsel war geprägt durch ständig durchziehende Wetterfronten mit reichlich Schnee im Gepäck. Der Höhepunkt des Winters fand zwischen dem 6.3 – 9.3 statt. Aus diesem Zeitraum resultieren auch die bisher höchsten gemessenen Schneehöhen in Südbrandenburg.

Um einen ersten Eindruck zu vermitteln fand eine Auswertung von 23 DWD-Wetterstationen statt. Dabei handelt es sich zum einen um Klimastationen zum anderen Teil sind das auch reine Niederschlagsstationen. (Siehe Auflistung unten)

Winter1970

Die Grafik zeigt die durchschnittliche Schneehöhe aller 23 ausgewerteten Stationen an (blauer Balken), sowie die höchste Schneehöhe im Vergleich aller 23 Wetterstationen (roter Balken). Was kann man jetzt daraus erkennen?

Man sieht sehr deutlich das es 2 Schneehöhenschwerpunkte gab. Direkt nach Jahresbeginn traten Schneefälle auf die eine maximale Schneehöhe von kanpp 50 cm hervorbrachten (z.B. Stechau mit 48 cm). Der zweite und um einiges stärkere Schwerpunkt lag Anfang März. Dort summierten sich andauernde Schneefälle auf auf über 75 cm (z.B. Schlieben 80 cm, Tauer b. Peitz 75 cm). Auch gut zu erkennen ist, dass es Mitte Februar kurzzeitig wärmer wurde und die Schneehöhe abnahm. So hatten einige Stationen (z.B. Turnow, Burg/Spreewald, Altdöbern, Guben, Senftenberg, Graustein b. Spremberg, Fürstlich Drehna und Ruhland eine Schneehöhe von 0 cm. Bei den anderen Stationen hielt sich eine Schneehöhe von einem oder mehr Zentimeter durchgängig vom Jahresbeginn bis zum 19/20.03.

Eine weitere Besonderheit ergab sich am 06/07.03. An diesen beiden Tagen konnte ein Durchschnittswert von 48 cm errechnet werden. Mit anderen Worten an diesen Tagen herrschte in ganz Südbrandenburg tiefster Winter mit viel Schnee. Schaut man sich die Grafik noch genauer an, so stellt man auch einen enormen Sprung der Maximalschneehöhe vom 5. März auf den 6 März 1970 fest. Lagen am Vortag maximal noch 55 cm, waren es ein Tag später schon satte 80 cm. Den größten Sprung gab es in Schlieben (von 40 cm auf 80 cm, das wäre 40cm Neuschnee innerhalb von 24 Stunden!). Auch an den anderen Standorten gab es zum Teil Neuschneemengen von 20-30 cm innerhalb von 2 Tagen.

Mit steigenden Temperaturen, erhöhtem Sonnenstand und der stärker werdenden Globalstrahlung, konnte sich die mächtige Schneedecke kaum noch lange halten. Vom Höhepunkt um den 6./7. März bis zum Abschmelzen auf 0 cm vergingen etwas mehr als 2 Wochen (16 bis 17 Tage). Als Folge traten lokale Überschwemungen und allgemein erhöhte Wasserstände der Flüsse auf.

Schauen wir uns die drei Phasen im Detail an.
…wird bearbeitet.


Klimastationen:
Cottbus, Bad Muskau und Doberlug-Kirchhain

Niederschlagsstationen (heute noch in Betrieb)
Drebkau, Graustein, Lieberose, Guben, Senftenberg, Fürstlich Drehna und Finsterwalde

Niederschlagsstationen (zum Teil bis 2005 in Betrieb)
Briesen, Turnow b. Peitz, Eichow, Tauer b. Peitz, Burg/Spreewald, SprembergForst/Lausitz, Altdöbern, Döbern, Ruhland, Sonnewalde, Stechau und Schlieben)

 

3 Kommentare zu „[WetterGeschichte] Winter 1970: “…starke Schneefälle über 3 Monate”

  1. auch mir ist der Winter von 1969 zu 1970 noch in guter Erinnerung. Ich war damals Maurerlehrling im dritten Lehrjahr und hatte fast den gesamten Winter mit Schnee schippen zu tun. Früh als erstes die Baustelle frei machen und die Sand und Kieshaufen mit Koksöfen anwärmen. Dann war Frühstück und nach der Pause ging es weiter mit dem Schnee wegräumen der inzwischen wieder gefallen war. Unser damaliges Bauprojekt war eine Kaufhalle, die unbedingt fertig werden sollte. Das Wetter war allerdings anderer Meinung und schickte immer mehr Schnee. Das Datum weiß ich heute nicht mehr, aber es war ein Donnerstag wo immer mehr Schnee runter kam und dazu der stetige Westwind. 16,00 Uhr hatten wir Feierabend und außer Schnee schippen war es am Bau nicht weitergegangen. Die Busse die uns in die jeweiligen Heimatorte bringen sollten, die schafften es gerade mal noch so und eine Stunde später war aber dann auch damit Schluss. Die Eisenbahn ist genau 2 Stunden länger unterwegs gewesen, dann steckte auch diese im Schnee fest. Ab Donnerstag Abend war keinerlei Bewegung mehr auf den Straßen, nur die LPG mit ihren Traktoren und Schneepflügen versuchten wenigstens zu ihren Ställe zu gelangen. Freitag früh kam natürlich auch niemand auf Arbeit, wenn er es nicht erlaufen konnte. Für alle die nicht arbeiten gehen konnten, die sollte sich bei der Gemeinde einfinden und zum Schnee schippen einteilen lassen. Das ging dann auch noch am Samstag so weiter. Am Sonntag war auf einmal der Schneefall vorbei und nun hieß es erst mal schauen was so los ist. Am Ortsausgang geht es einen Berg hoch, da steckten noch einige Fahrzeuge fest in den Schneewehen, unter anderem auch unsere Ortsfeuerwehr. Der Schnee ist seitdem noch nie wieder so hoch gewesen wie damals, es schauten von den Bäumen nur noch die Wipfel raus. Geschätzte 5-6m. Sonntag nachmittag waren die steckengeblienen Fahrzeuge entfernt worden, damit die Panzer die Strasse erst mal für weitere Räumfahrzeuge frei machen konnten. Am Montag fuhren dann auch wieder die Busse und die Bahn ebenfalls. Das war für mich der schlimmste Winter,und nicht 1978 – 1979.

    1. Jener Donnerstag war allerhöchstwahrscheinlich der 5. März 1970. An diesem fielen die besagten Rekordmengen von meist 20 bis 35, örtlich gar bis zu 50 cm Neuschnee. Die Gesamtschneehöhen lagen im Mittel oftmals bei über einem halben Meter, bei stärkeren Winden (wie auch 1978/79) genügt das locker Verwehungen bis Haushöhe..
      Ähnlich gewaltige Schneelagen gab es hier in den vergangenen 200 Jahren wohl insgesamt schon dreimal:
      – in Nordbrandenburg im Februar 1940 (Mirow/Rechlin-Lärz-Kümmel bei Rheinsberg 86 cm, Angermünde/Uckermark 68 cm),
      – in der Niederlausitz in der 3.Dezemberdekade 1886 –> siehe http://old.wetterzentrale.de/cgi-bin/wetterchronik/home.pl?read=840&jump1=region&jump2=1 .
      – aus Berlin und Guben (u.a.m.) ist für den 21. Dezember 1829 eine Schneehöhe von 80 cm überliefert –> siehe http://www.bibo.guben.de/zeitung/index.html#!Documents/28dezember1906.htm

  2. Ich wohnte damals in Vetschau und kann mich sehr gut an die Schneehöhen vor dem Haus (und das lästige Schneeschieben ohne technische Hilfe) erinnern. Als damals siebenjähriger, von kleinem Wuchs wirken die angesammelten Schneemassen links und rechts des Hauseinganges noch höher. Die älteren Jugendlichen bauten auf der Wiese vor unserem Haus ein riesiges Iglu in dem gut 8 Personen Platz hatten. Wir kleinen durften dann auch mal eine Nacht, mit dem Segen der Eltern, in dem Iglu verbringen – ein damals großes Abenteuer…
    Noch ein Kuriosum aus jener Zeit: irgenein Verrückter hatte in diesen Tagen die Verantwortlichen der Stadt herumbekommen, eine Ski-Sprungschanze in Vetschau zu bauen. Aus hunderten von Baumstämmen wurde daraufhih tatsächlich ein mächtig hohes Ungetüm von Schanze aufgebaut (nach meinen Erinnerungen etwa 15m hoch, samt den riesigen Erdbewegungen, die dazu nötig wurden, um einen sicheren Auslauf zu gestalten. Die Schanze wurde nie genutzt und wurde wenige Jahre später wegen gefährlichen Verfalls wieder abgerissen.
    Damals machte ich auch meine ersten und letzten Erfahrungen auf Skiern, die damals noch aus Holz waren.

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