Ostern im Klee, Ostern im Schnee? Rückblick auf über 100 Jahre Wetter zu Ostern.

Wieder einmal ist es soweit, Ostern steht vor der Tür. Die wichtigste Frage aber vorneweg, wie wird das Wetter zu den Osterfeiertagen? Kann man die vielen (Schoko)-Osterhasen im Garten verstecken ohne das Sie wegschmelzen oder muss man aufpassen das Sie im tiefen Schnee versinken? Ein passender Zeitpunkt um auf die vergangenen Jahre zu schauen.

Da die Osterfeiertage, von Karfreitag bis Ostermontag jedes Jahr varrieren, ist auch das Wetter von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Dabei fällt der früheste Ostersonntag auf einen 22. März, der späteste auf einen 25. April. Die Spanne der Tage zeigt, dass von Spätwinter bis Frühsommer alles möglich ist.

Die folgende Grafik dient uns als Ausgangspunkt für die Betrachtung der vers. Wettersituationen zu den Ostertagen. Dargestellt sind die Höchsttemperaturen an einem Ostersonntag von 1901 bis 2015. Die Höchsttemperaturen wurden zudem farblich so angepasst das sie in 5 verschiedene Gruppen geordnet werden können (0 – 5 Grad, 5 – 10 Grad, 10 – 20 Grad, 20 – 25 Grad und über 25 Grad). Zu erst fassen wir die Anzahl der in den einzelnen Gruppen befindlichen Höchsttemperaturen zusammen. Das heißt es gab in 106 Datenjahren (ausgenommen 1942-1950) 6 mal den Fall das eine Höchsttemperatur im Bereich von 0 – 5 Grad lag. Mit anderen Worten an diesen Ostersonntagen war es ziemlich frisch draußen. Da wir aber im Moment noch nicht wissen, wann dieser Ostersonntag im oben genannten Zeitraum stattfand, ob zeitig (dann würde es die Kälte erklären) oder spät (vielleicht eine ausgewöhnliche Kälte?), hilft uns das zur Beurteilung nur bedingt weiter.

Höchsttemperaturen am Ostersonntag
Abb. 1 …Höchsttemperaturen an einem Ostersonntag am Standort Cottbus.

Schauen wir weiter auf die anderen Gruppen. Höchsttemperaturen im Bereich von 5 – 10 Grad gab es 27 mal und dementsprechend 25,5 % der Jahre. 64 mal wurde ein Tagesmaximum der Temperatur zwischen 10 – 20 Grad beobachtet (60,4 %). In 7 Jahren (6,6%) lag die Höchsttemperatur über 20, aber noch unter 25 Grad. Über 25 Grad gab es seit 1901 nur 2 mal (1,9 %). Das heißt der überwiegende Teil der Jahre befindet sich in der gemäßigten Mitte zwischen 10 – 20 Grad. Doch leider trügt der Schein etwas. Da sich diese Übersicht nur auf den Sonntag bezieht, kann es am Karfreitag durchaus winterlicher oder umgekehrt sommerlicher gewesen sein als am Ostersonntag.

Grundsätzlich ist aber festzustellen, dass sich die Spanne der Extrema seit 1901 stark vergrößert hat. Das heißt bis etwa 1960 fanden die Ostersonntage bei Höchsttemperaturen zwischen 5 und 20 Grad statt. Bis dahin gab es nur 3 wärmere Ausnahmejahre. Seit 1960 nimmt die Spanne dann deutlich zu, darunter auch erstmals knapp 30 Grad sowie Höchsttemperaturen unter 5 Grad. Die 2 Auffälligkeit ist, dass etwa seit Beginn der 2000er Jahre (Ausnahmen 2012 & 2014) die kühleren Höchsttemperaturen fehlen. Entweder gab es relativ warme Ostern, also im Bereich von 15 bis 25 Grad, oder relativ kalte Ostern unter 5 Grad. Dies könnte darauf hinweisen, dass der Frühling an sich nicht mehr so stark ausgeprägt ist. Mit anderen Worten, entweder geht der Winter direkt in den Frühsommer über oder es bleibt lange kalt mit spätwinterlichen Abschnitten und es wird später erst deutlich wärmer. Beides verursacht ein Verschieben oder Ausbleiben des Frühlings.

Genug der Vorrede und Erklärungen, schauen wir uns jetzt einzelne, ausgesuchte Jahre genauer an.

Ostern 2000 (23. April)
Mit 29,5 Grad war dieser Ostersonntag nicht nur der heißeste Ostertag seit 1901, nein er schrammte auch hauchdünn an einem Hitzetag vorbei. Relativierend muss man dazu sagen, dass es sich dabei um den fast spätmöglichsten Termin handelte. Der Ostersonntag am 23. April war der Höhepunkt einer kleiner, 4 tägigen Hitze“periode“ mit jeweils über 25 Grad an allen 4 Tagen. Erst am darauffolgenden Dienstag fiel die Temperatur kurzfristig auf etwa 15 Grad, bevor sie darauf schon wieder über 25 Grad anstieg. Zudem gab es an allen 4 Tagen mehr als 10 Sonnenstunden. Wer also die Osterhasen und Ostereier am Karfreitag, Samstag oder Ostermontag suchen wollte, musste ebenfalls mit schmelzender Schokolade durch Temperatur und Sonne rechnen. Niederschlag gab es während der Osterfeiertage keinen.

Auf der Karte der Höchsttemperaturen für Brandenburg/Berlin sieht man, dass es in Berlin sogar über 30 Grad heiß war.
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Quelle: kachelmannwetter.com/de/Brandenburg

Ostern 1962 (22. April)
Auch hier liegt der Fall ähnlich. Wieder trat Ostern Mitte/Ende April auf. Wieder war es eine kleine Hitzewelle die die Temperaturen 4 Tage hintereinander auf über 28 Grad steigen ließ. Vom 22. April bis 25. April gab es an allen Tagen über 10 Stunden Sonne. Einzige Chance auf intakte Schokolade war hier der Karfreitag mit knapp 20 Grad und nur 5,5 Stunden Sonne. Regen gab es wiederum keinen.
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Quelle: kachelmannwetter.com/de/Brandenburg

Gar nich so lange her aber auch recht warm war es zu Ostern 2011 (24. April). Bei viel Sonne und leicht böigen Wind gab es angenehme 21,9 Grad.

Zum Ostersonntag 2003 (20. April) zeigten die Temperaturen schon wieder nach oben. Mit 20,6 Grad konnte man die Ostersuche wieder in den Garten verlegen. Gründonnerstag und Karfreitag fielen dagegen eher in eine kühlere Phase mit Höchsttemperaturen von unter 10 Grad. Gleichzeitig bließ ein starker Südostwind (Boen um 52 km/h). Am Samstag wurden zudem 4 mm an Niederschlag gemessen. Hier war also der Sonntag die eindeutig bessere Wahl, auch wenn es vom Vortag noch nass war.
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Abb. 3 …Windrichtung am 20. April 2003 um 15 Uhr. Quelle: kachelmannwetter.com/de/Brandenburg

Ostersonntag 1984 (22. April) bot sich deshalb schon an, weil es der einzige Tag an Ostern war, der die 20 Grad geknackt hatte. Auch die Sonne spielte mit und schien 8,4 Stunden.

Ostern 1976 (18. April) fiel kurioserweise genau in die wärmste Phase des ganzen Monats. Mal abgesehen davon, dass es nur einen Tag in diesem April gab der noch wärmer war. Am Ostersonntag wurden dann 20,1 Grad regiestriert und es gab immerhin noch 6 Stunden Sonne. Keine 4 Tage später sank die Höchsttemperatur für Ende April auf erstaunlich kalte 6 bis 8 Grad ab. Dazu kamen Schneeschauer die das Wetter noch unangenehmer machten. Wer hier Ferien oder frei hatte, war mit der Woche vor Ostern besser dran.

Der 3. wärmste Ostersonntag fiel auf das Jahr 1952 (13. April). Dort wurden nach kühlen Start in den Monat, etwa zur Monatsmitte wiederholt Temperaturen um oder über 20 Grad gemessen. So erreichten die Höchsttemperaturen an dem Ostersonntag einen Wert von 24,6 Grad. Dementsprechend wurde nur ganz knapp ein waschechter Sommertag verpasst.

Pünktlich zu Ostern im Jahr 1922 (16. April) macht die Höchsttemperatur einen großen Sprung. War es kurze Zeit zuvor noch kalt mit Werten um 10 Grad, so stieg die Temperatur innerhalb weniger Tage auf bis zu 28 Grad (Samstag am Osterwochenende). Am Ostersonntag konnten dann immerhin noch 21,7 Grad beobachtet. Hier fiel Ostern perfekt in den Zeitraum mit den höchsten Monatstemperaturen.

Fassen wir zusammen, je später Ostern im Kalender fällt, desto eher kann man mit höheren Temperaturen rechnen (es kann, muss aber nicht so sein!). Nicht selten das es zu diesen Osterfesten über 20 Grad warm ist. Das gilt besonders für die Jahre 1935, 1962, 1976, 1984, 1987, 2000, 2003, 2011 und 2014. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. In den Jahren 1905, 1908, 1927, 1938, 1954 ,1973, 1981, 1995 und 2001 gab es ebenfalls kalendarisches ein spätes Osterfest wobei die Höchsttemperaturen bei 10 Grad oder oft noch darunter blieben.

Dreht man den Spieß noch weiter um, so findet man das Beispiel Ostern 1967 (26. März). Mit 19,5 Grad war der Ostersonntag der wärmste Tag des ganzen Monats März. Die Wärme an diesem Tag war aber nur eine zufällige Ausnahme. Die Temperaturen glichen auch über Ostern eher einer Achterbahnfahrt und waren alles andere als konstant. Immer wieder wechselten sich Regenschauer, die aus Sachsen nach Südbrandenburg reinzogen, mit Sonnenschein ab. Das sieht man dann auch in den Sonnenstunden für den Tag (siehe folgende Abb.).
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Quelle: kachelmannwetter.com/de/Brandenburg

Richtig sonnig war es (seit 1954) in den Jahren 1962 (vor allem So. + Mo. je 12,2 St. Sonne), 1969 (von Do. – Mo. 51,8 St. Sonne), 1974 (Ostermontag nur 1,9 St., Karfreitag nur 6,6 St., dafür Samstag und Ostersonntag mehr als 12,5 Stunden Sonne), 1979 (außer Samstag über 11 St. Sonne), 1989 (vor allem So. + Mo. über 10,5 St. Sonne), 1993 (außer Karfreitag immer über 10 St. Sonne), 1997 (vor allem So. + Mo. über 11 St. Sonne), 1999 (von Do. – Mo. 50,0 St. Sonne), 2000 (von Do. – Mo. 55,9 St. Sonne), 2002 (von Do. – Mo. 50,2 St. Sonne), 2003 (vor allem So. + Mo. 12 St. Sonne), 2009 (von Do. – Mo. 51,9 St. Sonne), 2011 (nur am Ostermontag 2,7 St. Sonne, ansonsten 10-12 St. Sonne).

Mehrheitlich trüb (an keinem der Ostertage mehr als 5,0 St. meist deutlich darunter) war es in den Jahren 1954, 1955, 1958, 1961, 1966, 1970, 1972, 1977, 1983, 1995, 2001 und 2008.

„Fast“ komplett ohne Sonne blieb es in den Jahren 1964 und 2013. Ostern 1964 gab es von Gründonnerstag bis Ostermontag nur ganze 6 Minuten Sonne! Dazu kamen die kalten Temperaturen. Das war mit Abstand das trübste Osterfest in den letzten 60 Jahren. Ostern 2013 gab es über die 5 Ostertage insgesamt nur 1,6 Stunden Sonne (96 Minuten).

Hier fällt vor allem auf, dass es in den 2000er oftmals sehr sonnige Osterfeiertage gab. Dagegen die trübsten Osterfeste häufig in den Jahren von 1954 bis Ende der 1970er.

Im zweiten Teil dieses Rückblicks dreht sich dann alles um kaltes, trübes sogar stürmisches und verregnetes Osterwetter.

Ein Kommentar zu „Ostern im Klee, Ostern im Schnee? Rückblick auf über 100 Jahre Wetter zu Ostern.

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