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Lanschaftsschutzgebiet/Kaltluftdurchzugsgebiet vs. Bebauung in ansprechender Stadtrandlage

In den letzten Wochen gab es im Cottbuser Ortsteil Saspow vielerlei Diskussionen um einige Quadratmeter Ackerfläche. Nun was hat das mit dem Thema Wetter zutun? Dieses Stück Land liegt im Deichvorland der Spree. Das heißt es liegt genaugenommen im Naturschutzgebiet und könnte im Hochwasserbedarfsfall, als Flutungsfläche dienen. Gleichzeitig dient dieses Areal, ausgehend von der Spree, als Frischluftzufuhr. Über diese Grünfläche kann im Sommer kühlende Luft in die Stadt gelangen oder im besten Fall auch saubere Luft die Feinstaubsituation in der Stadt deutlich verbessern.

Auf der anderen Seite, wurde in den 1990er die Verordnungen zum Naturschutzgebiet ignoriert und die besagte Fläche mit Eigenheimen bebaut. Nach Angaben der CDU sollen auch noch die letzten, freien Flächen zur Bebauung freigegeben werden. Den ganzen Artikel gibt es hier nachzulesen lr-online.de/lausitz/Ärger im Spree-Idyll.

Der Artikel aus der Lausitzer Rundschau soll demnach als Aufhänger dienen, um die Situation  zu den Begriffen Frischluftschneisen, Kaltluftdurchgängen oder Achsen sauberer Luft für die Stadt Cottbus zu beschreiben. Frischluftschneisen sind im allgemeinen Grünzüge die von außerhalb in die Stadt führen. Auf diesem Wege sollen saubere Luft hinein- und schadstoffhaltige Luft heraustransportiert werden können. Gleiches gilt im Sommer für das Verhältnis zwischen kühlender/stickig, warmer Luft.

Dazu 2 Karten zur Verdeutlichung der angesprochenen Situation. Abb. 1 zeigt die Grün- und Freiflächen des Stadtgebietes, Abb. 2 das Schutzgut Klima & Luft. Die Karten gibt es in voller Auflösung unten den jeweilign Quellenangaben.

In der Karte der Grün- und Freiflächen erkennt man vor allem die Spree, als grüne Lunge der Stadt. Dazu gibt es viele kleinere Parkanlangen, wie zB den bekannten Branitzer Park, Brunschwigpark oder Carl-Blechen Park. Diese Grünflächen versorgen die Stadt im Sommer mit frischer, kühler Luft. Je nach Windrichtung und Windstärke kann so über die Grünanlagen oder den unbebauten Freiflächen, saubere Luft in die Stadt gelangen. Würde man jetzt diese Grünanlagen bzw. Luftschneisen zur Bebauung freigeben, würde man sich als Stadt ein Stück Lebensqualität, der ohnehin schon stark beabspruchten Innnenstadtluft, nehmen.


Abb. 1 …Grün- und Freiflächen der Stadt Cottbus (cottbus.de/Landschaftsplan/Grün- und Freiflächen)

Ganz ähnlich sieht die Situation auch bei den Frischtluftschneißen/Kaltluftdurchgängen aus. Für Cottbus gibt es einige Kaltluftdurchgänge. Diese sind je nach nach Himmelsrichtung auch in der Karte eingetragen (als blauer Pfeil). Angefangen im Norden dem Verlauf der Spree folgend, dann über die Waldflächen von Skadow, Döbbrick und Sielow bis zum ehemaligen Flugplatz im Nordwesten der Stadt. Auch aus Richtung Kolkwitz soll frische Luft über die Gleise bis zum Hauptbahnhof vordringen. Das vor allem über die vielen kleinen Feuchtflächen und Seen rund um Kolkwitz.

Im Südwesten sieht es etwas problematischer aus, da hier die dichtere Bebauung in Cottbus-Sachsendorf die ungehinderte Luftzufuhr unterbindet. Im Süden schließt sich dann wiederum die Spree als natürlicher Luftaustauschweg an. Darüber hinaus dienen die Madlower Schluchten und der angrenzende Branitzer Park ebenfalls diesem Ziel.


Abb. 2 …Schutzgutflächen „Klima & Luft“ der Stadt Cottbus (cottbus.de/Landschaftsplan/Schutzgut Klima & Luft)

In der Zukunft wird es spannend zu sehen sein, wie sich der künftige Cottbuser Ostsee in dieses System der Kaltluftdruchgänge einbindet. Wenn der See komplett geflutet ist, kann dort jederzeit kühles Seewasser in die Stadt strömen. Vorrausgesetzt sind entsprechende Infrastrukturmaßnahmen, wie Grünanlangen, Abriss alter ungenutzer Fabrik- und Lagerhallen oder Anlegen neuer Verbindungslinien zB auf der alten Bahntrasse. Sind diese Maßnahmen erfolgreich, kann der Cottbuser Ostsee aus wettertechnischer Sicht eine große und bedeutende Komponente werden.

Stellen wir usn einfach mal vor, dass sich im Sommer ein Seewind einstellt. Das heißt das Wasser erwärmt sich langsamer als die umgebende Landmasse. Dadurch steigt die Luft tagsüber immer mehr auf und es kommt zu einer Ausgleichsbewegung vom Wasser zum Land. Dies bedeutet dann eine enorm wichtige Frischluftkomponente. Aber genauso gut ist es möglich, dass es aufgrund der Größe des Sees zur Wolkenbildung kommt. Ähnlich dem Effekt am Kraftwerk Jänschwalde. Das würde im Winter eventuell Schnee bedeuten (warmes Seewasser steigt auf und fällt in abgekühlter Form rund um Merzdorf als Schnee wieder zurück)? Gleichzeitig könnte der See im Winter auch als Wärmespeicher dienen und der Stadt im günstigensten Fall höhere Nachttemperaturen bescheren. Oder durch die zur Verfügung stehende Wärme können im Sommer die Gewitter länger anhalten, je nachdem ob die Wärme/Energie des See als Gewitternachschub reicht? Ebenso wäre ein sogenannter Lake-Effekt an deren Seerändern möglich. Bei günstiger und anhaltender Ostwetterlage könnten so Schauer produziert werden, die immer die gleichen Stadtteilen treffen würden. Einen ähnlichen Effekt gibt es auch am Dreahener See bei Crinitz (mit gleichzeitiger Stauwirkung an den Babbener Bergen).

Inwieweit diese Wetterfolgen an Intensität und zeitlicher Reihenfolge zutreffen, kann natürlich nur spekuliert werden. Sicher ist aber, dass der See das lokale Wetter zumindest ein klein wenig verändern wird.

Weitere Informationen Landschaftsplan (Dez. 2016) der Stadt Cottbus gibt es über folgenden Link cottbus.de/Verwaltung/Stadtentwicklung/Landschaftsplan.

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