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|Breaking News| …soeben wurde die höchste Schneehöhe des Winters erreicht!

Dieser Bericht ist nicht frei von einer gewissen Wut im Bauch. Zwei Themen sollen in diesem Beitrag besondere Aufmerksamkeit bekommen. Erstens, was muss noch passieren damit es endlich richtig Winter wird? Vielleicht ein Klimawandel vom Klimawandel? Und zweitens, scheint es gerade Trend zu sein, noch die harmlosesten Fakten zu verdrehen oder einfach ohne Sinn und Verstand zu veröffentlichen. Und genau da setzt auch die Überschrift dieses Beitrags an…

Man könnte die Überschrift auch anders formulieren, in etwa so: „Breaking News. Sibirische Kaltluft (synonym für Russenpeitsche, Väterchen Frost, Kältehammer etc) lässt Deutschland im Chaos versinken!“ Nun alles gut und schön, wenn der Januar, um das Beispiel Cottbus zu nehmen, nicht mal schnell um ein halbes Grad zu warm ausfiel. Wie ist das möglich? Anderes Beispiel. Wie kann es sein, dass die angeblich so sichere sibirische Kaltluft neuerdings aus westlichen Richtungen kommt? Glauben Sie nicht? Doch es stimmt! Im diesjährigen Januar lag die vorherrschende Windrichtung an 23 von 31 Tagen aus westlichen, südwestlichen oder nordwestlichen Richtungen. Richtig, Sie haben vollkommen Recht, Russland und denentsprechend auch Sibirien liegt westlich von Europa!

Sie sind noch nicht überzeugt vom Wahrheitsgehalt der Medien zum Thema Wetter? Dann ein weiteres Beispiel. Diesmal ein Zitat aus der Lausitzer Rundschau zum Schnee am heutigen Sonntag: „Insgesamt haben wir am Sonntag für Südbrandenburg mit 25 bis 30 Zentimeter Neuschnee gerechnet“, sagt Thomas Hain von Deutschen Wetterdienst. lr-online.de/nachrichten/Kurzer Wintereinbruch Schnee wirbelt Lausitz durcheinander

Wie kommt man auf so eine Aussage? Kein einziges Wettermodell (und es gibt wahrlich jede Menge davon) zeigte diese Schneehöhen an. Zumal die Temperatur durchgängig über 0 Grad bleiben sollte. Mit der Folge das viel mehr Niederschlag notwendig ist, um auf vergleichbare Schneehöhen zu kommen, da es sich Nassschneefall handelt. Selbst die eignenen, hausinternen Warnungen des DWD zeigten nur 5, mit geringer Wahrscheinlichkeit 15 cm an. Das ist schlichtweg nicht nur falsch sondern auch komplett irreführend. Ich weiß das sich Modelle irren können, auch das man gewisse Parameter falsch intepretieren kann, das ist menschlich und völlig normal. Aber Aussagen die fernab der Realität liegen (für einen 24std. Vorhersagezeitraum!) passen einfach nicht ins Bild. In Zeiten wo es schon äußerst schwer ist echte Nachrichten von erfunden oder falsch formulierten Nachrichten zu entscheiden, sollte eine gewisse Glaubwürdigkeit erhalten bleiben. Oder etwa doch?

Welche Ausmaße ein sogenannter Clickbait-Journalismus (und da nehm ich die Lausitzer Rundschau an dieser Stelle explizit heraus) annehmen kann, beschreibt Jörg Kachelmann in einem, wie ich finde sehr verständlichen und anschaulichen, Artikel.

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So, nun genug über Fakenews und angebliche arktische Luftmassen nachgedacht, kommen wir zum zweiten großen Aufreger des Tages. Dieser ist von viel allgemeinerer Natur.

Fangen wir mit einer Frage an. Definieren Sie den Begriff „Winter“ im Hintergrund des bisherigen Winterverlaufs 2018/2019 für Cottbus? Ich hätte da einige Lösungsvorschläge. Wie wäre es mit, welchen Winter meinen Sie? Oder eher so, stundenweise kühlere Temperaturen mit kurzer Anzuckerung der Landschaft? Vielleicht ja auch folgende Definition. Winter 2018/2019 heißt, dass es nur Schnee geben kann wenn eine Warmfront unmittelbar darauf folgt!

Mit anderen Worten, der bisherige Winter war mehr eine Winter-Light-Version. Bevor wir dem Winter vorschnell keine Chance mehr geben, schauen wir uns den heutigen Tag noch einmal genauer an. Es ist Anfang Februar, Hochwinterzeit! Dazu eine klassische, wenn auch nicht so häufig auftretende Vb-Wetterlage (feuchte Luft wird vom Golf von Genau über die Alpen, Bayern und Tschechien nach Polen verlagert, dabei kühlt sie ab und bringt in jenem angesprichenen Streifen anhaltende Schneefälle). Nun die Schneefälle waren zweifelsfrei vorhanden, nur die Temperatur spielte nicht mit. Jetzt fragt sich, ist das schon der Einfluss des modernen, menschengemachten Klimawandels? Sind das die paar Zentel Grad, die ausreichen damit es eben kräftig schneit aber nicht wirklich liegen bleiben kann? Wohlmöglich die 0,5 Grad, die lokal ausreichen um einen deutlichen Enfluss zu nehmen?

Gefühlt würde diese Wetterlage in jedem anderen Winter vor 2018/2019, wohlgemerkt auch in Cottbus, mindestens 10cm Neuschnee bringen. Aber kommen wir nochmal zum Anfang zurück. Es ist ja nicht so, dass der Winter 2018/2019 völlig schneelos war. Im Gegenteil es gab mehere Tage an denen es kräftig schneite, nur eben nicht zum Messzeitpunkt (gut das ist ein anderes Thema). Viel entscheidener ist doch die Tatsache, dass wenn es schneite, der Schnee auch immer an eine Warmfront gekoppelt war! Natürlich gab es das früher auch, keine Frage, nur gab es auch genügend Schneefallereignisse an denen keine Warmfront im Spiel war. Oft ist das eine Sache von Stunden, dann regnet es entweder oder der Schnee wird von der Sonne anschließend rasend schnell geschmolzen. In der heutigen Zeit sind Tage an denen die Schneedecke 48 Stunden übersteht sehr selten geworden. Als Schneeliebhaber muss man sich ja schon Gedanken machen, den Schnee nicht zu verschlafen wenn man sich Sonntags für ein Mittagsschläfchen hinlegt.

Natürlich ist in beiden Texten bzw. Themen eine gewisse Portion Ironie dabei. Trotzdem soll es zum Nachdenken anregen, dass zum einen nicht jede Wettermeldung der Wahrheit entspricht & zum anderen der Klimawandel längst in vollem Gange ist!

PS. Mal ganz nebenbei bemerkt, dass die aktuell gemessenen 3cm, lass es am Ende des Abends 4 oder 5cm sein, der höchsten Schneehöhe des Winters 2018/2019 entsprechen. #Winter? #WinterinZeitendesKlimawandels

2 Kommentare

  1. Oi, so kenn` ich Dich ja noch gar nicht – das war ja eine echte Wutrede a la Trappatoni. Aber Du hast Recht, was die mediale Betrachtung der Dinge betrifft. Unsere Philosophie vom ständigen Wachstum, immer mehr, immer weiter, immer höher,super, sensationell und einzigartig hat uns abstumpfen lassen.Es werden nur noch Extreme wahrgenommen also verkauft man nur Monstrositäten – damit der Rubel weiter rollt…
    Aber gerade deswegen schätze ich diesen Blog… bin dankbar das es ihn gibt. Ich bin überzeugt: das neue Super wird in sehr naher Zukunft Bodenständigkeit und unaufgeregte Berichterstattung sein…

    1. Danke 😀
      Vieles beim Wetter besteht nunmal aus Fakten und sachlichen Erklärungen. Und um da eine gewisse Glaubhaftigkeit beizubehalten müssen eben auch die Informationen zu den Themen stimmen. Hält man das nicht ein, kann es ganz schnell zu einer falschen Vorstellung kommen. Oder ganz abstrakt ausgedrückt, die richtige & vernünftige Wahrnehmung von Wetter und deren Statistiken geht komplett verloren.

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