Natur & Wetterphänomene

|1-Stunden Messwert vs. gleitendem 24-Stunden-Messwert| …Verschiedene Auswertungsmöglichkeiten von Feinstaub und deren Zahlenspielerei.

Mit dem nahenden Winter nehmen auch wieder feinstaubintensiven Wetterlagen zu. Das heißt, am Boden kalte Luft, in der Höhe warme Luft, typische Inversionswetterlage. Wenn dann auch noch ein Hochdruckgebiet vorherrschend ist, das ist meistens bei so einer Wetterlage der Fall, dann findet auch kein großer Luftmassenaustausch statt. Mit anderen Worten, die feinstaubbelastete Luft wird nicht verdrängt und hängt mitunter tagelang in der Stadt.

Jetzt stellt sich die Frage, wie misst man den Feinstaubwert richtig? Dazu gibt es verschiedene, vor allem statistischgeprägte Ansätze. Schon da gibt es die erste Kritik. Schauen wir uns also einige Möglichenkeiten an.

1|Messung des realen 1-Stunden Höchstwertes
…nur der Höchstwert innerhalb einer Stunde wird angegeben. Wird in der Praxis zwar gemacht aber in den Jahreswerten nicht mit aufgeführt. Die Möglichekit, die dem Echtzeitwert am nähsten kommt.

2|Messung des maximalen 1-Stunden Mittelwertes
…hier wird ein 1-stündiges Mittel gebildet, der Höchstwert dieses Mittels wird dann als 1-stündiger Wert kommuniziert. Ein kurzer Peak wird somit rechnerisch schon deutlich gedrückt. Der Wert entspricht schon nicht mehr dem Echtzeitwert. Auch diesen Daten können und werden in Jahresberechnungen mit aufgenommen.

3|Messung des gleitenden 24-Stunden-Messwertes
…ein gemittelter Messwert der letzten 24 Stunden. Hier werden keine Höchstwerte abgebildet, dementsprechend wenig aussagekräftig. Nun wird dieser Wert aber als Tageswert in die Jahresberechnung mit aufgenommen. Man hat also ein Mittel vom Mittel als letztendlichen Feinstaubwert.

4|Korrigierte Werte nach Abgleich mit Gravemetriedaten

Schon diese 4 verschiedenen Messmethoden reichen aus, um zu sehen, dass die Werte zwar unter „Feinstaubmesswerte“ laufen aber doch komplett anders gemessen bzw. zusammengestellt werden. Schauen wir uns dafür beispielhaft, eine fiktive Station mit fiktiven Messwerten an.

Der menschlichen Lunge ist es letztlich egal, wie hoch ein Mittelwert war. Er reagiert auf die Spitzen, die je nachdem Vormittags oder Nachmittags auftreten können. Ganz schlimm ist es, wenn Abends der Feierabendverkehr mit dem Heizen der Holzöfen zusammen kommt. Auf die Spitze getrieben, darf man die Kinder, bei hohen Feinstaubwerten, bei offenem Fenster ins Bett bringen? Würde man jetzt alleine die gemittelten Werte (egal in welcher Form) nehmen, wäre es doch deutlich weniger Feinstaub. Genauso wird es leider auch in den Medien & von offizieller Seite aus kommuniziert.

Der gleitende 24-stündige Mittelwert (rote Linie in der Abbildung) ist oft der ausschlaggebende Wert in den Feinstaubstatistiken. Das dieser deutlich unter den Spitzen liegt und demnach viel harmloser aussieht, erklärt sich von selbst. Die Wahrheit ist aber genau das Gegenteil. Dadurch wird das sehr gefährliche Feinstaubproblem einfach nur verschleiert.


Abb. 1 …Vergleich vers. Messmethoden für Feinstaub.

Ganz undurchsichtig wird es, wenn die Messwerte im Nachhinein korrigiert werden. Dazu die korrigierten Übersichten der Cottbuser Feinstaubwerte aus der Bahnhofstraße. Als Beispiel soll hier der Februar 2019 angefügt werden. Vielen Dank an Jörg Friebe (lausitz-bild.de) für die Datenzusammenstellung und die zur Verfügung gestellten Informationen zum Thema Feinstaub.

Verschiedenen Auszählungen der Schadstoff-Überschreitungstage:
– Auszählung nach EU-Recht: 12 Überschreitungstage (damit hätten wir schon das Jahreskontingent an Überschreitungstagen erreicht)
– Auszählung Tagesmittelwerte (vom Amt): 1 Überschreitungstag
– Auszählung Tagesmittelwert in der Korrektur (vom Amt): kein Überschreitungstag

Wenn man bedenkt, dass ein Trend zur sauberen Luft in den letzten Monate/Jahren besteht, macht diese Statistikspielerei noch weniger Sinn. Man schafft sich einen künstlich gerichteten Trend!


Abb. 2 …korrigierte Feinstaubübersicht Cottbus für Februar 2019.

ein Kommentar

  1. Es gibt noch eine weitere Komponente in der Statistik, die zur Manipulation einlädt. Diese findet man bei der Festsetzung der Grenzwerte. Die einzige relativ unabhängige Kommission (Weltgesundheitsorganisation), die dazu noch sehr kompetent ist, weil sie mit Ärzten und Fachleuten aus dem Gesundheitswesen besetzt ist, hatte einen Grenzwert für PM10 von 20 Mikrogramm (Jahresmittelwert) festgelegt. Das ist nach Meinung der WHO der Grenzwert, ab dem Schädigungen des Herz-Lungen-Kreislaufs auftreten können. Dieser Wert ist aber in den europäischen Ballungsgebieten schwer bis gar nicht einzuhalten und so verdoppelte die EU nach jahrelangen Debatten per Gesetz den Wert auf 40 Mikrogramm pro Kubukmeter (auch Jahresmittelwert). Da die Werte in den Städten größer als 200 000 Einwohner immer noch katastrophal waren, musste ein neuer Wert her, der nochmal um 10 Mikrogramm auf 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft angehoben wurde. Diese Anhebung kaschierte man, in dem man das Tagesmittel nahm und danit scheinbar eine neue Kategorie erzeugte. Nun darf man raten mit welchen Werten dann endgültig bei den Umweltämtern gerechnet wird…
    Für die Cottbuser Region kann man allerdings feststellen, das die guten Tage, wo die Werte unter 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft lagen, deutlich zugenommen haben. Es sei denn, auch dieser Trend wurde künstlich erzeugt…

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