Social Media Wetter Wetterdaten & Rekorde Wetterhistorie

Historie der Wetter- und Klimastation Görlitz (seit Oktober 1836)

  1. Klimastation der Schlesischen Gesellschaft für Vaterländische Kultur

 Die Schlesische Gesellschaft für Vaterländische Kultur wurde 1803 gegründet und beschäftigte sich unter anderem mit Landeskunde, wozu zur damaligen Zeit auch die Themen Witterung und Klima zählten. Ab 1781 wurde aber zunächst nur in Sagan, rund 40 km östlich von Bad Muskau, eine Klimastation der berühmten Societas Meteorologica Palatina, der Mannheimer Meteorologischen Gesellschaft unterhalten, die 12 Jahre lang in Betrieb war. Der Kanonikus Preuß beobachtete dort dreimal täglich – um 7, 14 und 21 Uhr Ortszeit – das Wetter mit den aus Mannheim gelieferten Instrumenten. Kurz bevor die Mannheimer Gesellschaft 1793 aufgrund der Nachwehen der französischen Revolution aufgelöst werden musste, hatte die Universität Breslau, an der, wie in vielen anderen Forschungsstätten Europas, Physiker gegen Ende des 17. Jahrhunderts meteorologische Messgeräte erfanden, prüften, verbesserten und mit ihnen experimentierten, an dessen Sternwarte am 3. Februar 1791 eine Reihe fortlaufender astronomischer und meteorologischer Beobachtungen begonnen. Allerdings dauerte es im größten Teil Deutschlands nach der Auflösung der Societas Meteorologica noch bis in die Zeit nach dem Wiener Kongress von 1815, bis das Interesse an Wetter und Klima in den verschiedensten Regionen wieder deutlich erstarkte, was insbesondere auf die Witterung des ungewöhnlichen „Jahres ohne Sommer“ 1816 mit seinen verheerenden Missernten zurückzuführen war.

Seitens der Schlesischen Gesellschaft für Vaterländische Kultur wurden vielerorts Anstrengungen unternommen, um das Klima systematisch zu erforschen. In den 1820er und 1830er Jahren wurden daher neben Breslau auch in anderen Orten Schlesiens regelmäßige Messreihen begonnen. In dem zur damaligen preußischen Provinz Niederschlesien gehörenden Görlitz war es im Sommer 1836 der Lehrer Joseph Theodor HERTEL (* 08.07.1808 in Posen), der mit Unterstützung der Schlesischen Gesellschaft, deren Mitglied er war, in seiner Wohnung sowie an seiner Schule, dem Gymnasium der Stadt Görlitz, eine Klimastation aufbaute. Diese erste Station war vom 01.10.1836 bis 31.01.1861 in Betrieb und befand sich wenig südwestlich vom Demianiplatz. Als Beobachtungstermine wurde wie schon früher in Sagan 7, 14 und 21 Uhr mittlerer Ortszeit (MOZ) gewählt. Am 01.04.1845 wurde die Barometerhöhe verändert; das Barometer wurde ein Stockwerk höher aufgehängt.

  1. Klimastation zweiter Ordnung des Preußischen Meteorologischen Instituts bzw. des Reichswetterdienstes

Mit der Gründung des Preußischen Meteorologischen Instituts im Jahr 1847 wurde Görlitz ab 1848 in dessen Klimastationsnetz aufgenommen, wobei dieses Institut von nun an für die Ausstattung mit Geräten, die Instruktion der Beobachter sowie regelmäßige Prüfung von Instrumentarium und Beobachtungsergebnissen einschließlich deren Veröffentlichung verantwortlich zeichnete. Die Messungen selbst erfolgten jedoch zunächst weiterhin mit HERTELs Instrumenten; vom Berliner Institut kam anfangs lediglich ein Psychrometer und ein Regenmesser zum Einsatz. Gleichzeitig änderten sich die Beobachtungstermine: Beobachtet wurde ab 01.01.1848 zu den preußischen Terminen 6, 14 und 22 Uhr Ortszeit (MOZ).

Nach über 24 Beobachtungsjahren, am 22.02.1861, starb Lehrer HERTEL. Die Station wurde vertretungshalber durch den Lehrer Dr. HARTMANN-SCHMIDT übernommen, der dieses Amt jedoch nur zwei Monate innehatte – und zwar im Februar und März 1861.

Am 01.04.1861 gab es einen erneuten Beobachterwechsel. Der berühmte Apotheker Dr. Reinhard PECK, der zugleich auch Bibliothekar der Naturforschenden Gesellschaft Görlitz war, hatte dem Preußischen Meteorologischen Institut eine Übernahme vorgeschlagen, sodass die Station zu dessen Wohnung verlegt werden konnte, die sich in unmittelbarer Nähe der beiden Vorgängerstationen befand. PECKs Messungen und Beobachtungen umfassen 26 Jahre, sodass insgesamt über ein halbes Jahrhundert an Beobachtungsdaten von nahezu gleicher Stelle zusammenkamen.

Felix Georg Reinhard Peck (* 3. Februar 1823 in Görlitz; † 28. März 1895 ebenda), Beobachter der Klimastation Görlitz von April 1861 bis Juni 1887

Zum 1. Januar 1887 wurden, wie überall in ganz Preußen, die Beobachtungstermine in Anlehnung an die Societas von 1781 auf 7, 14 und 21 Uhr mittlerer Ortszeit (MOZ) festgelegt. Im gleichen Jahr, genauer gesagt zwischen Juli und November 1887, übernahm der meteorologisch interessierte Chemiker G.STREIT die Beobachtungen in Görlitz. Während dieser 5 Monate war die Station zu dessen Wohnung verlegt, doch sind die Stationslage und Einzelheiten zur Aufstellung der Instrumente nirgends dokumentiert und daher nicht exakt bekannt.

In den darauffolgenden 13 Jahren, vom 01.12.1887 bis zum 30.09.1900, übernahm der Rentier L. HÜTTIG die Beobachtungen. Dabei befand sich die Görlitzer Klimastation in der Zeit vom 01.12.1887 bis zum 02.10.1890 bei seinem Wohnhaus, Hospitalstraße 20-21, ungefähr in der Mitte der neueren südwestlichen Stadtseite. Ein neues Gefäßbarometer war dort strahlungsfrei in einem Einschubkasten in einem nach Nordosten schauenden Zimmer untergebracht. Das Thermometergehäuse mit Beschirmungsvorrichtung befand sich mit Genehmigung des Görlitzer Magistrats an der Nordwand einer ca. 15 Minuten von seiner Wohnung in Richtung Nordosten entfernten Scheune auf dem Städtischen Schlachthof. Die Ablesung erfolgte dort von der Scheune aus, jedoch wurde der obere Teil des Thermometergehäuses im Sommer mittags von der Sonne bestrahlt. Ein von dem Magdeburger Meteorologen Richard ASSMANN konstruierter Regenmesser wurde ebenfalls ziemlich frei im Städtischen Schlachthof aufgestellt. Zur Beobachtung der Windrichtung gab es verschiedene private Windfahnen in der Umgebung; die Windstärke wurde geschätzt.

Am 07.09.1889 wurde auch das Barometer in die Scheune auf dem Städtischen Schlachthof verlegt, und ein Jahr später, am 03.10.1890, wurde die gesamte Station samt Barometer zur neuen Wohnung des Beobachters in die Hospitalstraße Nr. 22 verlegt. Es stellte sich allerdings heraus, dass die Luftdruckmessungen um 0,25 mmHg = 1/3 mbar (1/3 hPa) zu niedrig waren.

Im darauffolgenden Jahr, am 01.05.1891, wurde ein neuer Regenmesser nach Prof. HELLMANN (Modell 1886) im Garten des Hospitals gegenüber der Wohnung des Beobachters aufgestellt. Am Tage darauf, dem 02.05.1891, wurde das Thermometergehäuse vor ein Korridorfenster nach NW im ersten Stockwerk des Hospitals verlegt, direkt gegenüber der Wohnung des Beobachters. Ein naher Gebäudeflügel im Westen verhinderte direkte Besonnung. Die Messergebnisse zeigten allerdings, dass dadurch der Temperaturgang zu stark abgestumpft wurde (häufig zu geringe Differenzen zwischen Tmin und Tmax).

Daher wurde ein neuer Beobachter gesucht und schließlich in dem Hospitalverwalter A.SCHLENSOG gefunden, der den Beobachtungen am Görlitzer Hospital als Stationsleiter für mehr als 16 Jahre vorstand. Vom 1. Oktober 1900 an befand sich die Station in der Hospitalstraße inmitten der Stadt, ca. 300 bis 500 Meter vom Hauptbahnhof Görlitz entfernt.

Zentralhospital Görlitz – Standort der Görlitzer Klimastation zwischen 1891 und 1943

 

Das Stationsbarometer war im Erdgeschoss des Hospitals aufgehängt; Thermometergehäuse und Regenmesser blieben unverändert.

Ab April 1902 wurde zur Windbestimmung die WILDsche Windfahne mit Stärketafel auf dem Westflügel des Hospitals verwendet.

Ab Oktober 1908 wurde ein FUESS-Aspirator an der Station in Gebrauch genommen.

Ab September 1916 wurde das Stationsbarometer auf den Flur der Wohnung des Beobachters verlegt. Die Luftdruckangaben waren recht unsicher und erscheinen im Durchschnitt um 1/2 mmHg = 2/3 mbar (2/3 hPa) zu hoch.

Am 30.04.1917 starb Hospitalverwalter SCHLENSOG. Für die folgenden 8 Monate, von Mai bis Dezember 1917, übernahm dessen Tochter, Frau Elsa WENDEL, die Beobachtungen; im Übrigen blieb die Station jedoch unverändert. Die Messergebnisse zeigen, dass die Temperatur in diesem Zeitraum zum Abendtermin im Sommer etwas zu hoch ausgefallen ist; außerdem wurden auffällig viele Windstillen notiert.

Am 01.01.1918 übernahm der Kastellan der Volksbücherei, Herr SCHNEIDER, für anderthalb Jahre die Beobachtungen; im Übrigen blieb die Station unverändert. Die Luftdruckangaben von Januar bis Juni 1918 waren leider unbrauchbar, ebenso die Messungen der relativen Feuchte für den Monat September 1918. Als Ersatz kann auf Daten aus Sachsen ausgewichen werden, wobei aber stets beachtet werden muss, dass sich das in Görlitz verwendete preußische Beobachtungssystem in Sachen Messgeräte, -vorschriften und Beobachtungszeiten von demjenigen der sächsischen Landeswetterwarte vor 1901 deutlich unterschied. Es dauerte sogar noch bis in den Ersten Weltkrieg hinein, bis ganz Sachsen seine Messtermine endlich dem des übrigen Deutschlands angeglichen hatte; bei der Instrumentierung kam es sogar erst um 1935 zu einer Vereinheitlichung. Görlitz war hier also aufgrund seiner damaligen politischen Zugehörigkeit den angrenzenden Regionen einen Schritt voraus.

In den folgenden 23 Jahren, vom 01.08.1919 bis zum 08.06.1942, war Diplom-Optiker Alfred LÜNING der Görlitzer Beobachter; sein Stellvertreter wurde Hausmeister HÜBNER. Die Messergebnisse dieser Beobachtungsperiode zeigen, dass die Temperatur zum 21-Uhr-Termin im Sommer etwas zu hoch lag, was auf den bereits deutlicher erkennbaren Stadteffekt zurückzuführen sein dürfte. Die Messungen der relativen Feuchte, besonders zum Mittagstermin, erschienen dagegen zu hoch. Am 08.06.1942 starb Optiker LÜNING.

Während dieser Zeit wurde eine englische Thermometerhütte in dem parkartigen Garten des Hospitals in Betrieb genommen, welches ab 1939 in ein Altersheim umfunktioniert wurde. Zu Beginn der Hospital-Reihe wurden wertvolle Parallelmessungen zwischen Fensterhütte und Thermometerhütte durchgeführt, und zwar 12 Monate lang, vom 01.10.1930 bis 30.09.1931. Es ergaben sich glücklicherweise keine nennenswerten systematischen Unterschiede zwischen dem alten und dem neuen Hüttentyp.

Am 10.02.1939 wurde durch den Reichswetterdienst, der im Jahr 1934 Nachfolger des Preußischen Meteorologischen Instituts geworden war, in Görlitz ein neues Stationsbarometer in Betrieb genommen, das in einem verschließbarem Kasten an der Vorderwand des unteren Korridors des Altersheims westlich vom Haupteingang durch eine Tür abgetrennt war. Die Hütte befand sich in der Nordostecke des weiten Gartens auf einer Rasenfläche von 8 x 12 m und der Regenmesser 20 m westlich der Hütte sowie 3 m südlich eines 2,5 m hohen Schuppens. Die Windfahne, welche im September 1938 überholt wurde, befand sich auf dem Westflügel des Altersheims.

Aufgrund des fortschreitenden Krieges mussten die Beobachtungen an der zivilen Görlitzer Klimastation zum 01.03.1943 eingestellt werden. Ähnlich wie in Cottbus wurde die lange Messreihe mit derjenigen des Fliegerhorstes fortgesetzt, wobei sich allerdings zeigte, dass die Temperaturen aufgrund der wesentlich freieren und etwas höheren Lage um ca. 0,8 Grad niedriger lagen als in der Stadt.

  1. Klima- und synoptische Station auf dem Görlitzer Fliegerhorst, Zeit des Zweiten Weltkriegs

Am 01.08.1939 wurde die Station auf dem Gelände des Fliegerhorstes Görlitz, circa 1,2 km westlich des Stadtrands, in Betrieb genommen. Diese umfasste ein Messfeld mit englischer Thermometerhütte und einem HELLMANN-Regenmesser. Das Erdbodenminimum-Thermometer befand sich auf einer Rasenfläche zwischen Baracken, etwa 80 m von den 15 m hohen Flugzeughallen entfernt.

Die Messungen an dieser Station wurden mit hauptamtlichem Personal bis zum Kriegsende durchgeführt. Die offiziellen Klimaunterlagen enden jedoch mit dem 28. Februar 1945. Vermutlich waren an der Station außerdem ein Stationsbarometer, ein Baro-Thermo-Hygrograph sowie ein elektrisches Windmessgerät in Betrieb, während in den Jahrzehnten zuvor die Windstärke meist ausschließlich geschätzt wurde.

Die Messlücke zwischen März 1945 und Juni 1946 wurde vom Meteorologischen Dienst der DDR geschlossen (Methodik: Interpolation nach Wahnsdorf), sodass eine ab 1836 durchlaufende Zeitreihe mit Monatsdaten für Temperatur und Niederschlag vorliegt. Auch die ab 6. Juni 1945 durchgeführten Messungen im rund 35 km entfernten Bautzen – in sehr ähnlicher Höhenlage wie Görlitz – geben wertvolle Hinweise auf die wahrscheinlichsten Witterungsverhältnisse während dieser 16-monatigen Datenlücke.

  1. Wiedererrichtung einer hauptamtlichen Wetterstation, SBZ- und DDR-Zeit

Im Jahr 1946 wurde die Wetterwarte auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes bzw. Fliegerhorstes wieder aufgebaut und in Betrieb genommen. Der Klimadienst wurde ab Juli 1946 wieder regelmäßig durchgeführt. Wie überall an Hauptamtsstationen in der SBZ wurde auch in Görlitz neben den Mannheimer Terminen 7, 14 und 21 Uhr zusätzlich zu den internationalen Terminen 00, 06, 12 und 18 GMT beobachtet und daraus das arithmetische Mittel gebildet. Daher gibt es von 1946 bis 1966 für Görlitz zwei parallellaufende Klimareihen nach jeweils unterschiedlichen Standards.

Stationsbarometer und Barograph befanden sich zunächst im Dienstraum der Wetterwarte in einem Barackenbau, während das Messfeld mit englischer Thermometerhütte und Aspirator, Thermograph und Hygrograph sowie HELLMANN-Regenmesser ausgestattet war. Der Sonnenscheinmesser befand sich vermutlich auf einem Sockel, ca. 12 m östlich der Beobachterbaracke. Auch ein Erdbodenminimum-Thermometer befand sich an der Görlitzer Station. Die Windfahne wurde auf einem Holzmast aufgestellt, 8 m südwestlich des Dienstgebäudes.

Am 01.09.1947 wurde der Sonnenscheinmesser auf das Dach der Stationsbaracke verlegt.

Ab 1948 wurde die Höhe der Thermometer neu vermessen. Ab 01.06.1948 wurde ein neuer Regenschreiber bei der Station in Betrieb genommen. Nach dem SBZ-Jahrbuch von 1948 besaß die Station auch Erdbodenthermometer für 10 und 20 cm Tiefe, jedoch ist nicht bekannt, wann mit diesen Messungen begonnen wurde.

Ab 01.07.1949 ging ein Erdbodenthermometer für 50 und 100 cm Tiefe der Station in Betrieb.

Ab 16.10.1950 wurde die Höhe der Thermometer und ab 19.10.1950 Höhe des Windmessers verändert. Am 07.06.1951 wurde eine neue Hütte aufgestellt. Die Datenanalyse zeigt zudem, dass die Windstärken in diesem Zeitraum etwas zu hoch geschätzt wurden.

Vom 22.10.1953 bis zum 21.11.1953 wurde die relative Feuchte mit Hüttenpsychrometer mit natürlicher Belüftung ermittelt.

Ab 24.08.1955 wurde der Sonnenscheinmesser umgesetzt.

Am 01.12.1962 wurde die Görlitzer Station um rund 350 m nach Nordosten verlegt, nahe der heutigen Kreuzung der B 6 mit der Girbigsdorfer Straße.

Zum 01.01.1967 wurde wie an allen hauptamtlichen Stationen der DDR die 3-terminige Klimareihe beendet und der Messtakt von den bisherigen 4 auf 8 Termine pro Tag erhöht.

Zum 01.06.1979 wurde der Windmesser von 13 m auf 16 m heraufgesetzt.

  1. Wetterstation Görlitz ab 1990, DWD

Standort der alten Görlitzer Wetterstation (Dezember 1962 bis Mai 1994) mit Beobachterhaus – Private Videoaufnahmen vom Oktober 1992

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 wurde die Görlitzer Station, die zuvor dem Meteorologischen Dienst der DDR angehört hatte, dem nun zuständigen DWD übergeben. Als Erstes wurde am 30.10.1990 eine selbstregistrierende Messanlage für die Temperatur mit Pt100-Sensoren in der Wetterhütte installiert.

Zum 01.01.1991 wurden die 1967 abgeschafften Mannheimer Klimatermine wieder eingeführt und bundesweit auf 7:30, 14:30 und 21:30 MEZ festgelegt, was für Görlitz gegenüber den von 1836-1847 sowie 1887-1966 genutzten Beobachtungsterminen nach MOZ eine Verschiebung um 30 Minuten bedeutete.

Im Oktober 1991 wurde an der Görlitzer Wetterstation die Radioaktivitätsüberwachung eingerichtet.

Im Zuge der Ertüchtigung der B 6 mitsamt der Straßenkreuzung Girbigsdorfer Str. musste die gesamte Wetterstation am 26.05.1994 erneut um 400 m, diesmal in Richtung WSW, verlegt werden. Auch das alte Beobachtungshaus konnte nicht mehr genutzt werden; die Beobachter zogen in einen Containerkomplex um. Ebenfalls zum 26.05.1994 fand die Umstellung der restlichen noch mit analogen Mess- und Registriergeräten durchgeführten Datenaufzeichnungen auf teilelektronische Datenerfassung statt (Automat 1. Generation, inkl. opto-elektronischem Sonnenscheinmesser SONI-e). Diese Technik war bis Ende März 2007 am neuen Standort in Betrieb und wurde dann durch die neuen Automaten der 2. Generation (Typ AMDA, inkl. elektronischem Ott-Pluviometer sowie Ultraschall-Schneehöhenmesser SR50-G1) ersetzt. Aus diesem Grund fand am 28.03.2007 eine erneute geringfügige Geräteversetzung um wenige Meter statt, wobei die exakten Standorte für die neuartigen Messgeräte am 01.08.2008 nochmals optimiert wurden.

Bereits zum 1. Juli 2005 war die Station in „Wetterwarte Görlitz“ umbenannt worden, um damit auf die personelle Betreuung hinzuweisen. Die Parameter Schneehöhe, Sicht, Bewölkung und Wetterzustand wurden lediglich zu Vergleichszwecken automatisch gemessen; die aufgebaute Automatentechnik kam zunächst noch nicht zum Routineeinsatz. Schon seit 1. April 2001 hatte an allen hauptamtlichen Stationen Deutschlands die Tagesmittelbildung aus den 24 stündlichen Messungen und Beobachtungen das 3-terminige Mittel abgelöst. Ebenfalls seit April 2001 wurden die automatischen opto-elektronischen Sonnenscheinmessungen zum Standardverfahren erhoben und für aktuelle Wettermeldungen verwendet. Das manuelle Sonnenscheinmessgerät vom Typ Campbell-Stokes wurde allerdings noch einige Jahre lang (bis 2007) betreut und parallel ausgewertet.

6. Klimareferenzstation Görlitz

Heutiges Messfeld der Wetterwarte Görlitz mit konventioneller weißer Wetterhütte („Stevenson Screen“, Bildmitte) sowie modernen elektronischen Geräten (u. a. Wolkenhöhenmesser, Mitte/rechts mit roten Streifen)

Zum 1. Mai 2008 wurde Görlitz zur ersten Klimareferenzstation Deutschlands erhoben und am 21.05.2008 vom damaligen DWD-Präsidenten eingeweiht (siehe https://www.funkzentrum.de/2008/mai/4863-wetterwarte-gtz-als-erste-dwd-klimareferenzstation-eingeweiht.html). Das bedeutete, dass hier neben der teilelektronischen Datenerfassung zu den drei Terminen 7:30, 14:30 und 21:30 MEZ (während der Sommerzeit jeweils eine Stunde später) konventionelle Flüssigkeitsthermometer sowie weitere mechanisch bzw. analog arbeitende Instrumente vom Stationspersonal abgelesen wurden, um differenzierte Vergleiche zwischen alten und neuen Messreihen anstellen zu können. Die Analyse dieser Werte mit den zeitlich hochaufgelösten elektronischen Datensätzen ergab beispielsweise beim Parameter Temperatur keine nennenswerten systematischen Unterschiede (vgl. DWD-Bericht Nr. 238), obgleich hauptsächlich die neueren elektronischen Sensoren nicht die Qualität und Detailliertheit professioneller Augenbeobachtungen erreichen (z. B. beim Parameter Wolkenmenge und -art).

Am 3. September 2008 wurde der bislang mit einem Schalenkreuz ausgestattete Windmesser durch ein Ultrasonic Anemometer 2D der Firma Thies ersetzt. Dieses hat den Vorteil, dass es im Winterhalbjahr aufgrund der beheizten Sensorarme nicht so schnell vereist; zudem besteht auch bei sehr hohen Windgeschwindigkeiten (oberhalb von 150 km/h) nicht die Gefahr einer Beschädigung bzw. Zerstörung.

Im Winter 2012/13 wurden die Ultraschall-Schneehöhenmesser durch eine Lasermessung ersetzt, jedoch ist es selbst bei Einsatz eines mehrstrahligen Lasers nicht möglich, eine mit Handmessungen vergleichbare Datenqualität zu erzielen. Insbesondere bei Dauerfrost und sehr lockerem Pulverschnee entstehen sehr ungleichmäßige Verwehungen der Schneedecke, sodass bei entsprechenden Winterwetterlagen Nachmessungen per Hand und Mittelbildung über viele gut ausgesuchte repräsentative Stellen auch in unserer hochtechnisierten Zeit notwendig bleiben.

Zum 1. Juni 2018 wurde das seit 10 Jahren in Görlitz in Betrieb befindliche Ott-Pluviometer durch den Niederschlagsmesser rain[e]H3 der Firma Lambrecht ersetzt.

7. Automatische Wetterstation Görlitz

Der Status als Referenzstation wurde vom DWD per 31. Dezember 2018 beendet. Zum 1. Januar 2019 wurde Görlitz von einer personell besetzten Wetterwarte unter Aktivierung aller automatischen Sensoren in eine unbemannte vollautomatische Wetterstation umgewandelt; lediglich die Radioaktivitätsmessung wird gelegentlich noch von Personal betreut. Es sei aber nochmals darauf hingewiesen, dass das Problem glaubwürdiger Bewölkungsmengen- und Schneehöhenmessungen sowie die Bestimmung des Wetterzustands bis heute nicht zufriedenstellend durch Technik gelöst ist. Auch klimatologisch interessante und relevante Erscheinungen wie z. B. Bodennebel, Gewitter, Glatteis-, Tau- oder Reifbildung wurde seit 1946 an der Görlitzer Wetterwarte lückenlos durch das Stationspersonal dokumentiert – eine vollautomatisierte Station ist derzeit  nicht in der Lage, diese Wetterphänomene überhaupt zu erfassen.
Eine nachträgliche Aufbereitung der Klimareihe mit manueller Integration separat erhobener Daten (z. B. aus Blitzkarten oder Webcams) ist gegenüber der direkten Vor-Ort-Beobachtung nur mit gewissen Einschränkungen möglich und zudem sehr aufwändig und zeitraubend.

 

Auswertung der Mess- und Beobachtungsgeschichte:

Die Historie der Standorte der Klimastation Görlitz zeigt bis zum Jahr 1943 ausschließlich Stationshöhen zwischen 207 m und 217 m über NN. Der Görlitzer Flugplatz liegt am nordwestlichen Stadtrand mit Höhenlagen zwischen 231 m und 238 m demgegenüber etwas erhöht, sodass es dort im Jahresmittel um nahezu 1 Grad kälter ist als im Stadtbereich. Es gibt derzeit allerdings bislang keine näheren Untersuchungen des Stadtklimas unter Berücksichtigung von neuzeitlichen Messungen innerhalb der Görlitzer Altstadtquartiere.

Der DWD hat bislang zwar die täglichen 3 Terminwerte von 1880-1946 nachdigitalisiert (KL-Datei im Standardformat, WMO-Stationsnummer 10499), die Messreihe der Tagesdaten beginnt jedoch derzeit erst 1935.

Die mittlerweile 183-jährige Görlitzer Klimareihe ist zwar auf Monats- und Jahresbasis lückenlos verfügbar, enthält jedoch mehrere Verlegungen und bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts hinein auch Stadtwachstumseffekte. Ohne Betrachtung zusammen mit anderen Säkularstationen aus nicht urbanen Räumen (z. B. ländlichen oder Bergstationen) sowie sorgfältiger Homogenisierung ist eine klimatologische Einordnung der älteren Messungen vor 1946 nicht sinnvoll möglich. Die mehrfachen Änderungen der Beobachtungszeiten, die Umstellung der alten Fensterhütten auf die Freilandthermometerhütte („Stevenson Screen“) und schließlich auf elektrische Messfühler sowie – last but not least – die jüngeren Umstellungen und Upgrades der elektrischen und elektronischen Messtechnik hatte entgegen vieler Erwartungen zumindest in Görlitz nur geringfügige Inhomogenitäten zur Folge.

4 Kommentare

    1. Zu Cottbus habe ich noch eine ähnliche Historie erstellt. Wollen wir diese in deinen schon bestehenden Beitrag zur Cottbusser Stationsgeschichte integrieren oder soll ich einen neuen Beitrag verfassen?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Buchperlenblog

Wenn aus Büchern Schätze werden.

Chris' Naturgarten

Wie ein naturnaher Garten entsteht. Der lange Weg vom Feld zum Garten

Wetter, Sturm, Gewitter und Natur/Klima

Dieser Blog legt den Fokus auf Sturm- und Orkanwetterlagen, sowie Gewitter und Starkregen/Unwetterlagen. Dazu wird ein Archiv zwischen den aktuellen Wetterthemen mit vergangenen Stürmen und Unwetterlagen bereit gestellt. Es wird auch auf die folgen von Stürmen auf den Forstbestand- und der Umwelt eingegangen. Die Hydrologie spielt z.b. bei Starkregenfällen und Hochwasserschutz im Zusammenhang mit dem Klima eine große Rolle, weshelb auch zur Hydrologie und Klimatologie Beiträge erfolgen werden.

%d Bloggern gefällt das: