Klimaanalysen

|Agrarwetter, Böden & Trockenheit| …Übersicht reale Evapotranspiration, das heißt die Summe der Verdunstung aus Boden, Tier- und Pflanzenwelt sowie Wasserflächen.

Ein weiteres Thema mit einer sehr sperrigen Überschrift. Aber auch hier ist die Erklärung sehr einfach. Es handelt sich dabei um Verdunstungswerte, die aus Bodenverdunstung, Tier- und Pflanzenverdunstung sowie Verdunstung aus Wasserflächen bestehen. Dieser Wert wird mithilfe einer komplizierten Formel berechnet. Dabei spielen Faktoren wie Bodenbeschaffenheit und Bodenoberfläche eine Rolle.

Doch was soll das dann genau sein? Der Wert gibt (indirekt) Auskunft über Trockenheit, Biodiversität, Pflanzenwachstum in der Kernwachstumszeit oder Feuchtigkeit durch Niederschläge.

1|reale Evapotranspiration von Gras über sandigem Lehm; Allgemein

Die erste Abbildung zeigt die täglichen Verdunstungswerte als Jahreskurve an. Dabei wurden alle Daten seit 1991 so zusammengefasst, dass sie den Verlauf mit Maximal- und Minimalgrenzen abdecken. Daraus ergibt sich, dass die Verdunstung am Jahresanfang eher gering ist. Das ist auch logisch, da die Pflanzen im Winter nicht wachsen und somit auch keine relevante Verdunstung abgeben. Genauso verhält es sich mit Wasser- bzw. Bodenoberflächen. Im Regelfall liegt sogar Schnee oder die Böden sind zT. angefroren.

Mitte/Ende Februar beginnt das Pflanzenwachstum, der Mittelwert (schwarze Linie) fängt an zu steigen. Im Mai wird dieser Wachstum etwas unterbrochen, da hier oftmals noch kühlere Phasen mit Spätfrösten auftreten. Mit höherstehender Sonne werden nun auch automatisch alle Boden- und Wasserflächen deutlich erwärmt, so dass im Sommer mit dem Höhepunkt der Verdunstung zu rechnen ist.

Ende Juli/Anfang August werden die Tage schon wieder kürzer, das Pflanzenwachstum nimmt deutlich ab und die Werte sinken nun langsam wieder ab. Sehr spannend auch, dass die Breite der auftretenden Verdunstungsbreite deutlich abnimmt. Ende Oktober sinken die Mittelwerte dann wieder unter 1 mm.


Abb. 1 …reale Evapotranspiration von Gras über sandigem Lehm

2|reale Evapotranspiration von Gras über sandigem Lehm; Entwicklung

Doch wie sieht nun die Entwicklung aus, gibt es erste Trends? Rein subjektiv würde man jetzt davon ausgehen, dass die Verdunstung neue Rekordwerte angenommen hat. Durch die vergangenen sehr trockenen Sommer gab es zwar Tage mit sehr hohen Verdunstungswerten aber in der Summe weisen die letzten Jahre doch eher einen gegenläufigen Trend auf. Woran liegt das? Das könnte zum einen an den enorm ausgetrockneten Böden liegen, die ja schon im Winter kaum Wasser haben (siehe Beitrag  Agrarwetter, Böden & Trockenheit| …Übersicht der Bodenfeuchte unter Gras bei sandigem Lehm), zum anderen aber auch an der allgemein zurückgehenden Biodiversität. Das heißt, die Pflanzen sind durch die Trockenheit schon stark geschwächt, dazu kommen weitere Verluste an Wäldern und in der Tierwelt. 

Betrachtet man aber die Werte aus den letzten Jahrzehnten so ist eine eindeutige Wellenbewegung, zumindest im Bereich der maximalen Verdunstungswerte, erkennbar. Der lineare Trend der Mittelwerte (graue Balken) bewegt sich hingegen kaum. Hier muss man weiter beobachten und schauen inwieweit sich der Klimawandel und deren Folgen auf Einzelfaktoren wie die reale Evapotranspiration auswirken.


Abb. 2 …reale Evapotranspiration über Gras bei sandigem Lehm; Jahreswerte

3|reale Evapotranspiration von Gras über sandigem Lehm; Jahresübersicht

Zum Schluss, die Darstellung der Verdunstungswerte als große Übersicht. Auch hier sieht man die Verteilung je dunkler und mehr Rot, desto höher liegen die Werte. Grün und Blau zeigen die geringsten Verdunstungswerte an.

Fangen wir ganz oben an. Hier erkennt man den schon angesprochenen Trend, dass die letzten sehr trockenen Jahre  doch deutlich geringere Verdunstungswerte aufweisen. Auch sieht man eine langsame Verlagerung von Gelb- und Brauntönen in das Frühjahr hinein. Gleichzeitig ist im November und Dezember kaum mehr blaue Farbe zu erkennen. Das zeigt, wie sich die Trockenheit, relativ gesehen auch die Temperaturen doch über den Winter halten. Mit anderen Worten, die Verdunstung reißt nie wirklich ab oder kommt komplett zum Erliegen.

Schaut man sich die anderen Jahre an, so zeigt sich gleichzeitig auch eine Verschiebung der hohen bis sehr hohen Werte in den Juni bis Juli. Das heißt, der Faktor Sonnenstand, hohe Temperaturen und möglicherweise Trockenheit machen sich nun stärker bemerkbar, als zuvor, als das Pflanzenwachstum eine stärkere Rolle spielte.


Abb. 3 …reale Evapotranspiration über Gras bei sandigem Lehm; Jahresübersicht

Aber auch bei diesen Daten und Ausführungen ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Das Jahr 2020 ist auf einem guten Weg 2018 und 2019 nochmal zu toppen. Das wären dann schon 3 Jahre mit ähnlichen oder fast gleichen Eigenschaften. Ob das schon ein Trend ist oder noch Zufall, muss eben abgewartet werden. Auch hier spielt jedenfalls der Klimawandel in all seinen Facetten eine bedeutende Rolle.

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